Das vierte Haus des Horoskopes
Analoges Tierkreiszeichen: Krebs
Herrscherplanet: Mond
Element: Wasser
Qualität: kardinal
Geschlecht: weiblich
Quadrant: zweiter Quadrant, Nachthälfte
Natur: Fruchtbildung, Empfängnis, Quelle, See bei Mondschein
Farbe: silber, Pastelltöne, eierschalenfarbig
Archetyp: Mutter, Familie, Volk, Pflegeberufe
Körperbereich: Schleimhäute, Magen
Materielle Ebene: Wohnung, Haus, Hausbesitz, Grundbesitz, Hotels, Bett, Korb, unterirdische Räume
Astrologische (Be-)Deutung
Das vierte Haus steht für die Wurzeln eines Menschen: seinen Ursprung, seine Erfahrungen in der Kindheit, seine familiäre Herkunft und seine Heimat. Wie das Imum coeli, die Spitze des vierten Hauses, symbolisiert es sein tiefstes Inneres und seine seelischen Prägungen. Es beschreibt die Privatsphäre eines Menschen, im Gegensatz zum gegenüberliegenden zehnten Haus, das dem Bereich entspricht, wo ein Mensch an die Öffentlichkeit geht.
Das Tierkreiszeichen des Imum coeli sowie etwaige Planeten im vierten Haus sagen etwas darüber aus, wie und wo sich ein Mensch zu Hause fühlt, im konkreten Sinn auch etwas über sein Heim.
Seelische Wurzeln
Von überragender Bedeutung ist das vierte Haus für die seelisch-individuelle, persönlich-subjektive Verwurzelung und Herkunft. Das vierte Haus ist der Bereich des privaten, nichtöffentlichen seelischen Erlebens, der Herkunft aus einer Familie, der seelischen Wurzeln in der Familie und den Vorfahren. Die konkrete seelische Geborgenheit findet sich hier ebenso wie das sich behütet und beschützt fühlen.
Familie
In enger Verbindung stehen seelische Geborgenheit und individuell-seelische Eigenart mit der Herkunftsfamilie. Diese ist entscheidender Träger des seelischen Zuhauses für ein Kind.
Die Familie ist das seelische Millieu, in dem Kinder, und auch später noch die Erwachsenen, ihre seelische Idendität gewinnen, ihre seelische Kreativität und Geborgenheit (erstmals) erfahren und erleben können. Eine starke Position nimmt dabei in der Regel die Mutter ein, da sie vielfach entscheidend die seelische Entwicklung der Nativen beeinflusst und prägt. Allgemein sind aber alle Familienmitglieder, die ganze Familie unter Einschluss des Vaters und eventueller Großeltern im vierten Haus abgebildet und prägend für die seelische Stimmung, für die Atmosphäre im persönlichen und privaten Zuhause.
Das äussere Zuhause
Die Geborgenheit und seelische Verwurzelung, auch in der Vorfahrenschaft und Herkunftsfamilie, ist natürlich mit dem äusseren Zuhause gekoppelt. Alle Immobilienangelegenheiten, Hausbesitz etc. sind also ein Bereich, der dem vierten Haus zugehört.
Das äussere Zuhause, ein stabiles und dauerhaftes und angemessenes zumal, hat z. B. für ein Geborgen- und Beschütztheitsgefühl einige Wichtigkeit, wie auch eine Familie sich vorallem in den eigenen Wänden privat seelisch erleben und entfalten kann. Das gilt entsprechend i. d. R. für die meisten Nativen.
Längere Heim-, Kur- und manchmal Krankenhausaufenthalte zum Zweck vorallem der Erholung und seelischen Selbstfindung können dem vierten Haus zurechnet werden.
Nahrungsaufnahme
Der aufnehmende Charakter des vierten Hauses wird auch auf körperlicher Ebene deutlich,
denn die Nahrungsaufnahme wird dem vierten Haus zugeschrieben, wie auch der Magen.
Wenn einem etwas auf den Magen schlägt, so wird damit zudem der Zusammenhang zwischen Körper, Materie und seelischem Befinden und in Folge zwischen Gesundheit und seelischem Zustand, seelischer Wahrnehmung benannt.
Die Nahrungsaufnahme in Beziehung zum vierten Haus bildet ein gemeinsames seelisches Bedürfnis ab, dass mit der Stillung des Säuglings durch die Mutter gut erkennbar wird. Es ist dabei die seelische Nähe des Gebenden und des Aufnehmenden, der Aufnehmenden, die mit ausgedrückt wird und wichtig für die seelische Befriedigung ist.
Träume und Kreativität
Da die seelisch-subjektive Identität sich vorallem im vierten Haus befindet, so entsteht auch hier vorallem die seelische Kreativität, die Impulse durch Phantasien, Träume, Wünsche und Aufnahme von Anregungen von Aussen zu Vorstellungen und Bildern verarbeitet und diese ausdrücken möchte.
Viele Künster und Kreative sind daher mit persönlichen Planeten im vierten Haus versehen. Ihre Werke sind häufig ganz persönliche und subjektive Eindrucksverarbeitungen, wie es typisch ist für dieses Haus.
Das seelische Erleben tagsüber kann nachts z. B. in Form von (nächtlichen) Träumen verarbeitet werden.
Vergangenheit und Zukunft
Native mit einem stark besetzten vierten Haus schöpfen scheinbar vielfach aus sich selber.
Die kreativen Wünsche, Vorstellungen und Bilder sind häufig ein grosser Antrieb für Gestaltung und Veränderung, auch des eigenen Lebens.
So rührt die Kreativität vielfach aus dem seelischen Erleben in der Vergangenheit, aus der Erinnerung z. B. an die eigene Kindheit, an die Mutter vorallem oder Herkunftsfamilie, das äussere Zuhause. Soweit ist das vierte Haus der Vergangenheit sehr nahe wie es auch Erinnerungen und unbewusste seelische Muster der Vorfahren weitertransportieren kann.
Andererseits führt eben das gestaltende, seelisch wechselhafte und kreative Potential des vierten Hauses oft genug zur persönlichen seelischen Weiterentwicklung und Veränderung des eigenen Lebens, wofür das vierte Haus genauso eine herausragende Bedeutung hat. Mal freiwillig, mal auch mehr unfreiwillig.
Sofern das vierte Haus das kreative seelische Potential abbildet, das einem mitgegeben wird mit Geburt, so bildet es eben auch die Basis für zukünftige Entwicklungen, die man sich als Zeitstrahl vom vierten ins zehnte Haus vorstellen kann, wenn der MC die (äussere) Zukunft darstellt.
Visionen und Ahnungen
Aufgrund der aufnehmenden, rezeptiven seelischen Veranlagung des vierten Hauses, in der Kindheit wie auch vorgeburtlichen Phasen sind Intuition, Einfühlung und subtile Wahrnehmungen ein weiteres Merkmal. Im vierten Haus nimmt man vielfach unausgesprochene, unbewusste seelische Energien anderer wie von sich selbst auf und wahr und kann diese in Visionen, Ahnungen und Träumen, die zukünftige Ereignisse vorweg nehmen, bildhaft vorallem nachts darstellen.
Wiederum ist das ein Hinweis auf die Fähigkeit des vierten Hauses, sowohl in der Vergangenheit verwurzelt zu sein, wie auch zukünftige Ereignisse vorweg zu nehmen.
Typisch sind z. B. das plötzliche Vorauswissen von Nativen, meist im höhren Alter, dass sie bald sterben werden.
Lebensanfang und Lebensende
Das vierte Haus bildet sowohl Lebensanfang wie Lebensende ab.
Der Lebensanfang wird z. B. mit der Schwangerschaft verdeutlicht, so dass man im vierten Haus daneben die seelischen und häuslichen Zustände während der Schwangerschaft der eigenen Mutter mit dem Nativen erkennen kann.
Der Lebensabend, das Lebensende schliesst den seelischen Werdungskreislauf ab, der mit der Geburt begonnen hat. Die Lebensphase ab der Verrentung wird somit wieder dem vierten Haus zugeordnet, dazugehörig auch der Altersruhesitz.
Volk, Bevölkerung, Ehrenämter
Bildet das zehnte Haus vielfach öffentliche Belange ab, den Staat, die Behörden, die Gesetze, die Öffentlichkeit etc., so findet sich im vierten Haus allgemein die Bevölkerung, das Volk. Dies wird vorallem in der Mundan-Astrologie deutlich. Aber auch im Geburtshoroskop erkennt man die Nähe zu diesen Bereichen, wenn Native mit persönlichen und gut gestellten Planeten im vierten Haus populär sind bei der Bevölkerung, auch ohne direktes Amt; dafür werden ihnen gerne Ehrenämter aus der Bevölkerung angetragen. Typisch sind populäre, beliebte Persönlichkeiten vor Ort, im Wohnviertel, in der Gemeinde, die auch Ehrenämter dort ausüben, die ihnen von den Ortsanssäsigen angetragen wurden.
Vater oder Mutter
In der antiken Astrologie, besonders der Griechen, werden die Eltern (die Familie) dem vierten Haus zugeordnet, eine Unterscheidung von Mutter und Vater nach verschiedenen Häusern gibt es nicht. In der europäischen Astrologie des 19. und 20. Jahrhunderts wird das vierte Haus der Mutter zugeordnet und entsprechend das [[zehntes Haus|zehnte]] dem Vater, unter Einflüssen der indischen Astrologie über theosophisches Gedankengut.
William Lilly, der bedeutende europäische Astrologe des 17. Jahrhunderts, siedelt den Vater im vierten, die Mutter im zehnten Haus an. Die psychologische Astrologin Liz Greene vertritt entsprechend seit längerem diese Meinung ( Kosmos und Seele, Frankfurt a. M. 1991, Seite 197 ff. )
Die Zuordnung der Mutter ins zehnte Haus ist keine klassische oder in der antiken griechischen Astrologie verankerte. Wahrscheinlich beruht sie auf einer fehlerhaften Übersetzung z. B. von Ptolemäus. Ansonsten ist sie zusätzlich arabisch-islamischen Ursprungs, woher sie auch z. B. Lilly übernommen hat. In der arabischen Astrologie selbst ist aber die Verknüpfung der Mutter mit dem zehnten Haus anscheinend weniger ausgeprägt, neben der eindeutigen der Eltern und damit des Vater mit dem vierten Haus, wie in der griechischen Astrologie. Fundierte Ausführungen von Rafael Gil Brand zu diesen Zuordnungen finden sich auf seiner Page.
( Quelle: weitgehend AstroWiki )